Strom-Netzentgelte: Was Unternehmen in Deutschland wissen müssen

Philip Gutschke · zu­letzt ak­tua­li­siert: 11. Fe­bru­ar 2025

Netz­ent­gel­te sind ein we­sent­li­cher Be­stand­teil der Strom­kos­ten, die von Un­ter­neh­men in Deutsch­land ge­tra­gen wer­den. Sie wer­den für die Nut­zung des Strom­net­zes er­ho­ben und wer­den des­halb manch­mal auch “Netz­nut­zungs­ent­gel­te" ge­nannt. Für viele Be­trie­be sind sie ein er­heb­li­cher Kos­ten­fak­tor. Des­halb ist es ent­schei­dend, dass Un­ter­neh­men die Struk­tur und die Ent­wick­lung der Strom-​Netzentgelte ver­ste­hen, um Ein­spar­po­ten­zia­le zu er­ken­nen und ge­zielt zu nut­zen.

Kurz und knapp

Netz­ent­gel­te sind für die Nut­zung des Strom­net­zes zu zah­len und set­zen sich aus Transport-​, Verteilungs-​ sowie in man­chen Fäl­len das Mess­ent­gelt zu­sam­men. Re­gio­na­le Un­ter­schie­de und Ver­brauchs­struk­tu­ren be­ein­flus­sen den Be­trag.

Die Bun­des­netz­agen­tur plant ab dem Jahr 2026 eine Re­form der Netz­ent­gel­te, die en­er­gie­in­ten­si­ve Un­ter­neh­men ent­las­ten soll. Klei­ne­re Be­trie­be könn­ten durch die neuen Re­ge­lun­gen je­doch mit hö­he­ren Kos­ten be­las­tet wer­den.

Durch ver­schie­de­ne Maß­nah­men wie ge­ziel­tes Last­ma­nage­ment, den Ein­satz in­tel­li­gen­ter En­er­gie­sys­te­me sowie die Be­an­tra­gung von Son­der­netz­ent­gel­ten kön­nen Un­ter­neh­men ihre ge­sam­ten Strom­kos­ten ef­fek­tiv und lang­fris­tig sen­ken.

Was sind Netzentgelte für Strom?

Netz­ent­gel­te sind Ge­büh­ren, die Strom­kun­den für die Nut­zung der Strom­net­ze zah­len. Diese Ent­gel­te de­cken die Kos­ten für den Be­trieb, die In­stand­hal­tung und den Aus­bau der Netz­in­fra­struk­tur. Sie wer­den von den Netz­be­trei­bern er­ho­ben und von der Bun­des­netz­agen­tur re­gu­liert, um Trans­pa­renz und Fair­ness si­cher­zu­stel­len und eine Mo­no­po­li­sie­rung durch die Strom­netz­be­trei­ber zu ver­hin­dern.

Un­ter­neh­men zah­len diese Ent­gel­te ent­spre­chend ihres Ver­brauchs und ihrer Netz­nut­zungs­art, wo­durch sie eine be­deu­ten­de Rolle bei den En­er­gie­kos­ten spie­len – 2024 mach­ten die Strom-​Netzentgelte ein Vier­tel der Strom­kos­ten aus!

Je­doch kön­nen Sie di­rek­ten Ein­fluss auf die Höhe der Netz­nut­zungs­ent­gel­te neh­men und diese sen­ken. Dazu müs­sen Sie je­doch zu­nächst ver­ste­hen, wie sich die Netz­nut­zungs­ent­gel­te zu­sam­men­set­zen.

Mehr über die Strompreis-​Zusammensetzung er­fah­ren Sie hier

Branchenwissen

Zusammensetzung der Netznutzungsentgelte

Die Netz­ent­gel­te set­zen sich aus meh­re­ren Be­stand­tei­len zu­sam­men, die eng mit dem Be­trieb und der Er­hal­tung der Strom­net­ze ver­bun­den sind. Diese Zu­sam­men­set­zung wird durch meh­re­re Fak­to­ren be­stimmt, dar­un­ter die Netz­in­fra­struk­tur, die Ver­brauchs­struk­tur und re­gu­la­to­ri­sche Vor­ga­ben. Im Fol­gen­den wer­den die wich­tigs­ten Be­stand­tei­le und Ein­fluss­fak­to­ren näher be­leuch­tet.

Transport-​ und Ver­tei­lungs­ent­gel­te

Ein we­sent­li­cher Teil der Netz­ent­gel­te sind die Trans­port­kos­ten, die durch die über 880 Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber in Deutsch­land ent­ste­hen. Diese be­trei­ben Hoch­span­nungs­lei­tun­gen, die den Strom über weite Stre­cken zu den Ver­tei­ler­net­zen trans­por­tie­ren.

Die Höhe die­ser Kos­ten ist dabei von der Span­nungs­ebe­ne ab­hän­gig: Hoch­span­nungs­lei­tun­gen ver­ur­sa­chen hö­he­re Kos­ten als lo­ka­le Nie­der­span­nungs­net­ze. Zudem spie­len geo­gra­fi­sche Ge­ge­ben­hei­ten eine Rolle, da in to­po­gra­fisch an­spruchs­vol­len Re­gio­nen der Bau und die In­stand­hal­tung der Netze auf­wän­di­ger sind.

Die Kos­ten für die Ver­tei­lung in­ner­halb re­gio­na­ler Strom­net­ze ma­chen eben­falls einen gro­ßen An­teil aus. Be­son­ders in länd­li­chen Ge­bie­ten mit ge­rin­ger Ver­brauchs­dich­te fal­len diese höher aus, da die Netz­ab­schnit­te län­ger und die War­tungs­ar­bei­ten um­fang­rei­cher sind. Im Ge­gen­satz dazu pro­fi­tie­ren Bal­lungs­räu­me von einer hö­he­ren Ver­brauchs­dich­te und kön­nen die Kos­ten ef­fi­zi­en­ter auf meh­re­re Ab­neh­mer ver­tei­len.

Die fol­gen­de Gra­fik zeigt den Auf­bau des deut­schen Strom­net­zes:

Aufbau des deutschen Stromnetzes

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Er­neu­er­ba­re En­er­gien

Das Aus­maß der er­neu­er­ba­ren En­er­gien in einer Re­gi­on spielt eine zu­neh­men­de Rolle bei der Be­rech­nung der Netz­nut­zungs­ent­gel­te. Re­gio­nen mit einem hohen An­teil er­neu­er­ba­rer En­er­gien be­nö­ti­gen oft zu­sätz­li­che In­fra­struk­tur, um die Ein­spei­sung und Ver­tei­lung die­ser de­zen­tral er­zeug­ten En­er­gie zu ge­währ­leis­ten. Diese Kos­ten wer­den auf die Netz­nut­zungs­ent­gel­te um­ge­legt.

Dar­über hin­aus füh­ren Schwan­kun­gen bei der Er­zeu­gung er­neu­er­ba­rer En­er­gien zu einem hö­he­ren Be­darf an Fle­xi­bi­li­täts­maß­nah­men wie En­er­gie­spei­chern oder Backup-​Kraftwerken, was sich eben­falls auf die Kos­ten­struk­tur aus­wirkt. Je mehr Strom je­doch aus er­neu­er­ba­ren Quel­len stammt, desto sta­bi­ler wird das Netz.

Mess­ent­gel­te und Ver­brauchs­zäh­ler

Die Nut­zung und War­tung von Mess­stel­len, die den En­er­gie­ver­brauch er­fas­sen, stel­len eine wei­te­re Kos­ten­kom­po­nen­te dar. Diese Ent­gel­te wer­den ins­be­son­de­re durch die Art der Mess­sys­te­me be­ein­flusst. Mo­der­ne, di­gi­ta­le Zäh­ler, die eine ex­ak­te Ver­brauch­ser­fas­sung er­mög­li­chen, kön­nen lang­fris­tig Kos­ten­vor­tei­le bie­ten. Den­noch ver­ur­sa­chen sie in der Ein­füh­rungs­pha­se hö­he­re In­ves­ti­ti­ons­kos­ten, die auf die Netz­ent­gel­te um­ge­legt wer­den.


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Ver­brau­cher­zu­sam­men­set­zung und re­gio­na­le Un­ter­schie­de

Die Struk­tur der Ver­brau­cher in einer Re­gi­on hat eben­falls er­heb­li­chen Ein­fluss auf die Netz­nut­zungs­ent­gel­te. In Re­gio­nen mit hohem In­dus­trie­an­teil sind die Ent­gel­te oft nied­ri­ger, da die Las­ten gleich­mä­ßi­ger ver­teilt und Spit­zen­ver­bräu­che re­du­ziert wer­den kön­nen. Pri­vat­kun­den oder Klein­ge­wer­be hin­ge­gen ver­ur­sa­chen auf­grund ihrer un­re­gel­mä­ßi­ge­ren Last­pro­fi­le hö­he­re Kos­ten.

Zu­sätz­lich un­ter­schei­den sich die Ent­gel­te stark zwi­schen länd­li­chen Ge­bie­ten und städ­ti­schen Re­gio­nen. Dies liegt vor allem an der Netz­dich­te, der Aus­bau­ge­schwin­dig­keit und den War­tungs­an­for­de­run­gen der je­wei­li­gen In­fra­struk­tur.

Die Be­nut­zer­stun­den

Je kon­ti­nu­ier­li­cher der Ab­neh­mer sei­nen Strom be­zieht, desto güns­ti­ger wer­den die Netz­ent­gel­te. Ein­schät­zen lässt sich das über die Be­nut­zer­stun­den. Diese geben an, wie viele Stun­den ein Ab­neh­mer seine ma­xi­ma­le An­schluss­leis­tung im Jahr nut­zen würde.

Hö­he­re Be­nut­zer­stun­den be­deu­ten, dass die vor­han­de­ne Netz­ka­pa­zi­tät ef­fi­zi­en­ter ge­nutzt wird, was zu nied­ri­ge­ren Ar­beits­prei­sen – also zu ent­spre­chend nied­ri­ge­ren Netz­ent­gel­ten – führt. Um­ge­kehrt ist, je nied­ri­ger die Be­nut­zungs­stun­den, der Ar­beits­preis höher.

Sie er­rech­nen sich, indem man den Jah­res­strom­ver­brauch durch die Höchst­leis­tung (Pmax) teilt. Wenn das Er­geb­nis klei­ner als 2.500 h/a (Stun­den pro Jahr) aus­fällt, ist der Leis­tungs­preis (LP) also nied­rig und der Ar­beits­preis (AP) dem­nach höher. Sind die Be­nut­zer­stun­den höher als 2.500 h/a, ist der Leis­tungs­preis hoch und der Ar­beits­preis dafür nied­ri­ger.

Formel zur Einschätzung des Industriestrom-Preises

Bei­spiel:

  • Ge­wer­be­be­trieb

  • Höchst­leis­tung: 225 W

  • Jah­res­ver­brauch: 540.000 kWh

Das er­gibt 2.400 Be­nut­zer­stun­den, also einen nied­ri­gen Leis­tungs­preis und einen hohen Ar­beits­preis.

In der NS 7 ohne Trafo zahlt die­ses Un­ter­neh­men in Schleswig-​Holstein 20 € pro kW/a (LP: 4.500 €) und 540.000 kWh zu 4,4 ct/kWh (AP: 23.760 €).

Ins­ge­samt sind das also 28.260 € für Netz­ent­gel­te.


Aktuelle Entwicklungen und Reformen

Die po­li­ti­schen und re­gu­la­to­ri­schen Rah­men­be­din­gun­gen rund um Strom-​Netzentgelte un­ter­lie­gen stän­di­gen Ver­än­de­run­gen. Die Bun­des­netz­agen­tur plant eine um­fas­sen­de Re­form der In­dus­trie­netz­ent­gel­te, um die Kos­ten­struk­tur fai­rer und trans­pa­ren­ter zu ge­stal­ten. Ziel ist es, ins­be­son­de­re en­er­gie­in­ten­si­ve Un­ter­neh­men zu ent­las­ten, da deren Strom­kos­ten oft einen er­heb­li­chen An­teil an den Ge­samt­kos­ten aus­ma­chen.

Die neuen Re­ge­lun­gen sol­len ab dem 1. Ja­nu­ar 2026 in Kraft tre­ten. Bis dahin be­fin­det sich die Re­form in der Kon­sul­ta­ti­ons­pha­se, in der Un­ter­neh­men und Ver­bän­de ihre Stel­lung­nah­men ab­ge­ben kön­nen. Diese Re­form könn­te zu einer spür­ba­ren Sen­kung der Strom­kos­ten für Groß­ver­brau­cher füh­ren und deren Wett­be­werbs­fä­hig­keit auf in­ter­na­tio­na­len Märk­ten stär­ken.

Gleich­zei­tig sind klei­ne­re Un­ter­neh­men mög­li­cher­wei­se mit stei­gen­den Netz­ent­gel­ten für Strom kon­fron­tiert, da sie we­ni­ger von den ge­plan­ten Ent­las­tun­gen pro­fi­tie­ren. Ein um­fas­sen­des Ver­ständ­nis die­ser Re­form ist es­sen­zi­ell, um recht­zei­tig Maß­nah­men zur Kos­ten­sen­kung zu er­grei­fen und mög­li­che Ri­si­ken ab­zu­fe­dern.

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Strategien zur Senkung der Strom-Netzentgelte

Un­ter­neh­men haben ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten, ihre Netz­ent­gel­te zu re­du­zie­ren. Dabei spielt so­wohl die Op­ti­mie­rung des ei­ge­nen En­er­gie­ver­brauchs als auch die Nut­zung spe­zi­el­ler Re­ge­lun­gen eine Rolle. Die fol­gen­den An­sät­ze zei­gen, wie Un­ter­neh­men ihre En­er­gie­kos­ten ef­fi­zi­ent sen­ken kön­nen.

Er­fah­ren Sie mehr dar­über, wie Un­ter­neh­men En­er­gie spa­ren kön­nen


Bei­spiel:

Das Un­ter­neh­men aus oben­ste­hen­dem Bei­spiel könn­te durch fol­gen­de Maß­nah­men seine Strom­kos­ten sen­ken:

Da es mit 540.000 kWh für die Nie­der­span­nung einen sehr gro­ßen Ver­brauch hat, könn­te es mit einer ei­ge­nen Mit­tel­span­nungs­sta­ti­on und Span­nungs­ebe­nen­wech­sel spa­ren:

MS 5 mit ei­ge­nem Trafo (ein­ma­li­ge Kos­ten: 50.000 €):

9,00 € x 225 kW = 2.025 €

540.000 kWh x 2,0 ct/kWh = 10.800 €

In Summe also 12.825 €, was eine Kos­ten­er­spar­nis von 15.435 € pro Jahr be­deu­tet.


Last­ma­nage­ment und Ver­brauchs­op­ti­mie­rung

Eine ef­fek­ti­ve Me­tho­de zur Sen­kung der Netz­ent­gel­te ist das Last­ma­nage­ment. Durch eine ge­ziel­te Steue­rung des En­er­gie­ver­brauchs und Kennt­nis der ei­ge­nen Be­nut­zer­stun­den kön­nen Last­spit­zen ver­mie­den wer­den, die zu hö­he­ren Kos­ten füh­ren. Un­ter­neh­men kön­nen zudem durch die Op­ti­mie­rung ihrer Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se En­er­gie ef­fi­zi­en­ter nut­zen.

Dar­über hin­aus soll­ten in­tel­li­gen­te En­er­gie­ma­nage­ment­sys­te­me in Be­tracht ge­zo­gen wer­den, die den Strom­ver­brauch in Echt­zeit ana­ly­sie­ren und ge­ziel­te Ein­spa­run­gen er­mög­li­chen. Auch die Zu­sam­men­ar­beit mit spe­zia­li­sier­ten Dienst­leis­tern kann hel­fen, in­di­vi­du­el­le Last­pro­fi­le zu op­ti­mie­ren und da­durch wei­te­re Ein­spar­po­ten­zia­le zu rea­li­sie­ren.

Nut­zung von Son­der­netz­ent­gel­ten

Ei­ni­ge Un­ter­neh­men haben be­reits die Mög­lich­keit, Son­der­netz­ent­gel­te zu be­an­tra­gen, die ihnen re­du­zier­te Kos­ten er­mög­li­chen. Diese Op­ti­on steht vor allem en­er­gie­in­ten­si­ven Be­trie­ben offen, die be­stimm­te Vor­aus­set­zun­gen er­fül­len. Dazu zäh­len bei­spiels­wei­se ein sta­bi­ler En­er­gie­ver­brauch oder ein sys­tem­re­le­van­ter Bei­trag zur Netz­sta­bi­li­tät.

Die Prü­fung und Be­an­tra­gung sol­cher Ent­gel­te kann eine si­gni­fi­kan­te Kos­ten­sen­kung be­wir­ken. Un­ter­neh­men soll­ten sich um­fas­send und früh­zei­tig über die Be­din­gun­gen in­for­mie­ren, um den An­trag er­folg­reich zu stel­len.

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Zukünftige Trends und Ausblick

Die En­er­gie­wirt­schaft be­fin­det sich im Wan­del. Tech­no­lo­gi­sche In­no­va­tio­nen und po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen be­ein­flus­sen die Ent­wick­lung der Netz­nut­zungs­ent­gel­te. Un­ter­neh­men soll­ten diese Trends im Auge be­hal­ten, um recht­zei­tig auf Ver­än­de­run­gen re­agie­ren zu kön­nen. Die nach­fol­gen­den Ab­schnit­te geben einen Aus­blick auf zen­tra­le Ent­wick­lun­gen.

Di­gi­ta­li­sie­rung und Smart Grids

Die Di­gi­ta­li­sie­rung und der Ein­satz von Smart Grids bie­tet Un­ter­neh­men neue Mög­lich­kei­ten, ihren En­er­gie­ver­brauch zu op­ti­mie­ren. In­tel­li­gen­te Strom­net­ze kön­nen den En­er­gie­fluss ef­fi­zi­ent steu­ern und Kos­ten re­du­zie­ren. Neben der Op­ti­mie­rung der En­er­gie­ef­fi­zi­enz kön­nen Smart Grids auch dabei hel­fen, Last­spit­zen bes­ser zu ver­tei­len und die In­te­gra­ti­on er­neu­er­ba­rer En­er­gien zu ver­bes­sern.

Durch die Ver­net­zung von Er­zeu­gern, Ver­brau­chern und Spei­cher­sys­te­men las­sen sich Strom­flüs­se in Echt­zeit über­wa­chen und an­pas­sen. Un­ter­neh­men, die früh­zei­tig auf diese Tech­no­lo­gie set­zen, kön­nen nicht nur Kos­ten sen­ken, son­dern auch aktiv zur Netz­sta­bi­li­tät bei­tra­gen. För­der­pro­gram­me und staat­li­che An­rei­ze bie­ten zudem fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung bei der Im­ple­men­tie­rung von Smart-​Grid-Technologien.


Was sind Smart Grids?

Smart Grids, auch als “in­tel­li­gen­te Strom­net­ze” be­zeich­net, ver­bin­den klas­si­sche En­er­gie­ver­sor­gung mit mo­der­ner Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gie. Sie er­mög­li­chen eine ef­fi­zi­en­te Steue­rung und Über­wa­chung des Strom­flus­ses in Echt­zeit. Da­durch kön­nen En­er­gie­ver­brauch und -​erzeugung op­ti­mal auf­ein­an­der ab­ge­stimmt wer­den. Dies re­du­ziert nicht nur Kos­ten, son­dern ver­bes­sert auch die Sta­bi­li­tät des Strom­net­zes und die In­te­gra­ti­on er­neu­er­ba­rer En­er­gien.


Ein­fluss der En­er­gie­wen­de auf Netz­nut­zungs­ge­bühr

Die En­er­gie­wen­de führt zu einem zu­neh­men­den Aus­bau er­neu­er­ba­rer En­er­gien, was auch die Netz­ent­gel­te nach­hal­tig be­ein­flusst. In­ves­ti­tio­nen in die Netz­sta­bi­li­tät und den Aus­bau von Spei­cher­ka­pa­zi­tä­ten könn­ten zu­nächst zu hö­he­ren Kos­ten füh­ren, bie­ten je­doch auch Chan­cen für in­no­va­ti­ve En­er­gie­lö­sun­gen.

Un­ter­neh­men soll­ten sich dar­über in­for­mie­ren, wie sich die Ein­spei­sung von Solar-​ und Wind­ener­gie auf ihre Netz­nut­zungs­ge­bühr aus­wirkt und wel­che Mög­lich­kei­ten zur Kom­pen­sa­ti­on be­stehen. Ein wich­ti­ger Fak­tor ist die Ent­wick­lung von Spei­cher­sys­te­men, die es er­mög­li­chen, Über­schüs­se aus er­neu­er­ba­ren En­er­gien zu spei­chern und bei Be­darf zu nut­zen. Dies könn­te lang­fris­tig zu einer Sta­bi­li­sie­rung und sogar Sen­kung der Netz­ent­gel­te füh­ren.

Lesetipp: Studie zur Energiewende 2024

Weg von fos­si­len En­er­gie­trä­gern, hin zur En­er­gie­ver­sor­gung aus nach­hal­ti­gen Quel­len: Die­ser Weg wird als En­er­gie­wen­de be­zeich­net. wattline hat zu die­sem Thema eine um­fang­rei­che Stu­die ver­öf­fent­licht. Er­fah­ren Sie mehr dazu in un­se­rer Stu­die zur En­er­gie­wen­de 2024.

Cover der Studie zur Energiewende 2024

Fazit

Für Un­ter­neh­men in Deutsch­land sind Netz­ent­gel­te ein zen­tra­ler Kos­ten­fak­tor, der sich durch ge­ziel­te Stra­te­gien und ein fun­dier­tes Ver­ständ­nis op­ti­mie­ren lässt. Die ak­tu­el­len Ent­wick­lun­gen und tech­no­lo­gi­schen Fort­schrit­te bie­ten so­wohl Her­aus­for­de­run­gen als auch Chan­cen. Un­ter­neh­men soll­ten die Mög­lich­kei­ten zur Kos­ten­re­duk­ti­on aktiv nut­zen, um lang­fris­tig wett­be­werbs­fä­hig zu blei­ben.

Über Philip Gutschke

Phil­ip ver­ant­wor­tet als Be­reichs­lei­ter En­er­gie­be­schaf­fung die stra­te­gi­schen und ope­ra­ti­ven Ein­kaufs­pro­zes­se für die Mit­glie­der der Ein­kaufs­ge­mein­schaft und ver­tritt deren In­ter­es­sen beim BDEW (Bun­des­ver­band der Energie-​ und Was­ser­wirt­schaft).

Er be­schäf­tigt sich lei­den­schaft­lich mit den ak­tu­el­len Ent­wick­lun­gen und Her­aus­for­de­run­gen im En­er­gie­markt. In sei­ner Frei­zeit fin­det man ihn am, im oder auf dem Was­ser.

Philip Gutschke, Bereichsleiter Energieeinkauf bei wattline

Häufige Fragen

  • Warum va­ri­ie­ren die Netz­ent­gel­te in Deutsch­land re­gio­nal?

    Die Höhe der Netz­nut­zungs­ent­gel­te un­ter­schei­det sich re­gio­nal auf­grund ver­schie­de­ner Fak­to­ren wie Be­völ­ke­rungs­dich­te, Netz­aus­bau­stand und re­gio­na­ler In­fra­struk­tur­kos­ten. In Ge­bie­ten mit ge­rin­ger Be­völ­ke­rungs­dich­te oder hohem In­ves­ti­ti­ons­be­darf für den Netz­aus­bau kön­nen die Ent­gel­te höher sein.

  • Wie be­ein­flus­sen die Netz­ent­gel­te die Strom­prei­se für End­ver­brau­cher?

    Netz­ent­gel­te ma­chen einen be­deu­ten­den Teil des Strom­prei­ses aus. Stei­gen die Netz­ent­gel­te, er­höht sich in der Regel auch der Strom­preis für End­ver­brau­cher. Daher wir­ken sich Än­de­run­gen der Netz­ent­gel­te di­rekt auf die Strom­kos­ten aus.

  • Wer legt die Höhe der Netz­ent­gel­te fest?

    Die Netz­ent­gel­te wer­den von den Netz­be­trei­bern vor­ge­schla­gen, je­doch von der Bun­des­netz­agen­tur und den Lan­des­re­gu­lie­rungs­be­hör­den ge­prüft und ge­neh­migt. Diese Re­gu­lie­rung stellt si­cher, dass die Ent­gel­te fair und an­ge­mes­sen sind.

  • Wie wer­den Netz­ent­gel­te für Strom be­rech­net?

    Die Be­rech­nung der Netz­ent­gel­te ba­siert auf den Kos­ten für Bau, Be­trieb und War­tung der Netze. Dabei wer­den Fak­to­ren wie Ver­brauchs­men­ge, An­schluss­art und re­gio­na­le Ge­ge­ben­hei­ten be­rück­sich­tigt. Die ge­naue Be­rech­nung er­folgt gemäß Vor­ga­ben der Strom­netz­ent­gelt­ver­ord­nung (Strom­NEV).